Das Leben feiern


Ich war vor ein paar Tagen mit Keith und seinen beiden Hunden hier in Edinburgh spazieren. Er hat zwei American Staffordshire Terrier und ist ein richtiges schottisches Urgestein mit langen Haaren und langem roten Bart. Es war ein toller Tag mit einem herzlichen, offenen Menschen und wir fanden sofort eine Verbindung über, das ist ja klar, die Hunde. Er erzählt gerne und viel und es ist sehr amüsant seinen Geschichten zu lauschen. Eine hat mich ganz besonders berührt. Es war die Geschichte von seinem Herzenshund “Tyson”. Auch er war ein American Staffordshire Terrier und sein erster Hund. Die beiden sind viele Jahre durch dick und dünn gegangen. Viele neue Orte, viele neue Länder, er kam überall mit hin. Als er 15 Jahre alt wurde ging Keith mit seiner Fellnase zum Tierarzt. Dieser untersuchte ihn und sagte, dass es so aussieht als würde nach und nach die inneren Organe ihre Funktion einstellen. Er solle seiner grauen Schnauze noch ein schönes letztes Jahr gönnen und sich darauf einstellen, dass es dem Ende entgegen geht.

Also bekam Tyson sein tollstes Jahr.

 

Seine Lieblingsbeschäftigung war eindeutig essen und so gab es kein schnödes Hundefutter mehr, sondern all die leckeren Menschenspeisen. Mal ein Burger, mal Pommes oder ein Stückchen Schokolade. Und er verlebte ein super Jahr und noch eins und noch eins. Er wurde ein bisschen dicker, ein bisschen blinder und ein bisschen tauber, aber er war weiterhin ein fröhlicher für sein Alter sehr agiler Hund. Es gab Schnupperrunden und immer wieder Leckereien zu Naschen. So ließ es sich aushalten. Und so kam es, dass Tyson 22 Jahre alt wurde, bis sein Herz aufhörte zu schlagen. Keith ist der festen Überzeugung, dass er nur so lange lebte, weil er wusste dass er sich am nächsten Tag auf seinen Burger freuen konnte. Das wollte er sich einfach nicht entgehen lassen!

 

Ich fand es so berührend zu hören, dass dieser geliebte Hund solch ein hohes Alter erreicht hat. Ein Hund, der keine spezielle Senioren Diät hatte, keine Hundetraining, kein Agility. Ein Hund der einfach geliebt wurde und seinen Platz gefunden hat. Vielleicht braucht es manchmal gar nicht so viel, damit unsere Tiere glücklich sind. Vielleicht braucht es genau das Gegenteil: weniger. Weniger Strenge, weniger Regeln, weniger Termine und Gedanken, um das was gut ist und was sich gehört. Vielleicht finden wir dann die Zeit zu genießen und jedes Jahr mit unserer Fellnase zu feiern, als wäre es das letzte.



 

Anna Bürgelin

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