Barfuß


Bei meinem Spaziergang mit Davita heute Morgen auf dem Weinberg waren sowohl der Hund, als auch ich selbst nicht besonders gut gelaunt. Wir waren uns nicht einig und verbrachten die erste halbe Stunde mit Reibereien. Wildes Gezerre an der Leine, Unmut, Ärger.

Es war mir nicht möglich für mich einzustehen und ihr zu vermitteln, dass für mich ein Spaziergang so keinen Spaß macht. Für sie war er vermutlich eben so wenig erquickend wie für mich und sie versuchte es mit der altbewährten Terriermethode: Mit dem Kopf voraus durch die Wand.

Das hat nicht geklappt, denn als Resultat waren wir beide gestresst und entnervt von der Situation und von einander.

Vor lauter Ratlosigkeit blieb ich stehen. Im Regen auf dem Weinberg, mitten auf einem Schotterweg. Ich öffnete meine Schnürsenkel und zog Schuhe und Socken aus. Krempelte die Hose hoch und stand mit blanken Füßen da und spürte den Boden unter mir. Es war etwas kühl und feucht, aber angenehm. Kleine Steinchen spieksten mich leicht, aber nicht schmerzhaft.

Ich konnte die Erde unter mir spüren und fühlte mich sehr mit der Natur und meinen Füßen verbunden.

 

Ich machte den ersten Schritt und Davita, die bei der Schuhe- auszieh- Aktion brav neben mir stand, nutze die Gelegenheit und galoppierte vorwärts. Mit Volldampf in die Leine. Autsch! Es tut ganz schön weh, wenn sich kleine spitze Steine in nackte Füße bohren und man versucht nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Ich hatte eine direkte Quittung für diese kleine Frechheit meines Hundes bekommen.

Plötzlich konnte ich mich sammeln und ihr eine angemessene Rückmeldung auf ihr Verhalten geben. Eine Rückmeldung mit einer anderen Energie und Klarheit. Ich hatte ein eigenes hohes Interesse daran, dass sie ab sofort, ihre Leinenzieherei einstellt, weil sie mir sonst damit weh tut. Es war kein genervtes „Davita hör jetzt auf“ – Leinengezuppel mehr. Ich konnte, nein musste, plötzlich für meine Interessen einstehen.

Und es funktionierte. Davita respektierte meine Korrekturen, die nicht mehr vermischt mit Ärger oder Unmut waren. Ich musste hochkonzentriert sein, auf mich, meine Füße, meinen Hund. Ich musste schnell und effektiv handeln und auf mein Gefühl vertrauen. Kleine Nuancen in ihren Bewegungen konnte ich wahrnehmen und sie ganz sanft führen, sodass wir beide unseren Raum halten konnten.

Wir sind fast 1 ½ Stunden so zusammen durch den Weinberg getapst.

 

Wir waren entspannt und aufmerksam miteinander und sehr respektvoll für die Bedürfnisse unseres Gegenübers. Was für ein schönes Gefühl.

 

Erstaunlich zu sehen war auch, wie sich Davitas Wahrnehmung verändert hat. Sie hatte ja nun in einem Radius von 1,5m (Leinenlänge) um mich herum zu bleiben und konnte nicht nach Mäusen buddeln und über Wiesen toben (das darf sie morgen wieder!). Sie hatte Zeit und Ruhe, zu spüren. Sie spreizte ihre kleinen Pfötchen weiter, setze sie vorsichtiger auf, wenn große Steine im Schotter waren und patschte mehr, wenn wir durch Pfützen liefen.

Wir durften heute beide spüren, wie gut es tut, innezuhalten und den eigenen Körper wahrzunehmen, sein Gegenüber sein zu lassen und für die eigenen Grenzen einzustehen.

Ich bin dankbar, dass ich meinen kleinen Hund habe, der mir wieder zurück ins Gefühl hilft und mit mir barfuß durchs Leben geht.



 

Anna Jäcklein +

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