Es fehlt was.


Foto: Karl-Erik Wilson

Ich bin für zwei Wochen in Schottland, ohne meinen Hund. In diesem Land voll rauer Natur, Wind und Regen ist es irgendwie viel ursprünglicher, als ich es von zu Hause kenne. Hier trifft man beim spazieren gehen durch den Wald am helllichten Tag auf Gruppen von Rehen, Fasanen und Hasen. Wanderwege gibt es nicht. Und wenn es sie doch mal gibt, dann hören sie meistens irgendwann irgendwo auf oder führen quer durch Schafweiden. Hier geht man in der Regel querfeldein. Man läuft keinem vorgegebenem Weg nach, sondern sucht sich seinen eigenen. Denn die Schotten möchten keine Narben in ihrer Natur. Und Wege die auf einen Berg hinauf führen sind Narben. 

Menschen, Natur und die Tiere leben hier wie ich finde sehr harmonisch zusammen. Man respektiert sich gegenseitig. 

Überall sind Hunde. In Schottland lieben die Menschen Hunde und jeder zweite hat einen oder zwei. Vor allem Hütehunde, gerne auch ohne Leine, sieht man an jeder Ecke. Ich bin durchweg sehr entspannten Hunden und ihren Besitzern begegnet. 

 

Und trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb denke ich mindestens 10 x am Tag wie froh ich bin, dass mein kleines Hundemädchen diesmal nicht dabei ist. Dass sie entspannt bei meinen Eltern Urlaub machen kann und ein bisschen gemütliches Rudelleben hat. 

Dass ich nicht mit einem kleinen verrückten Terrier den Rehen im Wald "Guten Tag" sagen und nicht Wanderstöcke/Leinen Knoten lösen muss. Dass ich nicht Theater habe, weil 200 völlig unbeeindruckte Schafe um uns herum laufen und ich keinen 8kg - Hund zusätzlich der Berg hinauf tragen muss, weil sie körperlich nicht in der Verfassung wäre, alleine derartige Hänge zu bewältigen.

Ich bin froh, dass ich ein bisschen hundefreie Zeit habe. Dass ich in den Tag hineinleben kann, ohne mich um ein anderes Lebewesen zu kümmern und mal die Verantwortung nicht auf meinen Schultern liegt.  Dass ich auftanken kann. Damit ich wieder Kraft habe, mich um sie zu kümmern und Spaß am Leben mit meinem kleinen Chaos-Hund habe. 

 

Trotz allem denke ich 10 x am Tag wie viel schöner es wäre, wenn ich sie mitgenommen hätte!

 

 

Wenn wir am Gipfel sitzen und vespern und unsere kleine Familie irgendwie nicht vollständig ist. Wenn ich  abends auf dem Sofa lese und kein Hund da ist zum kraulen. Wenn einfach das Fell untern den Fingern fehlt. Wenn ich mit einer lieben neuen Freundin am Strand von Edinburgh spazieren gehe und ihr Jack Russel Terrier Rüde durch den Sand tobt. Dann bin ich irgendwie nicht ganz. Dann fehlt was. Was wichtiges!



 

Anna Jäcklein +

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